Alle wollen «Annie» sein

Upper East Side, New York City
Alle wollen «Annie» sein

Die Stimmung im Frühstücksraum unseres New Yorker Hotels ist an diesem Morgen etwas aufgekratzt. Ein etwa 10-jähriges Mädchen wuselt umher, ihr Mami nippt an einem Kaffee. Ein zweites Mädchen, Foto-Mappe unter dem Arm, betritt mit ihrer Mutter den Raum. Man kommt sofort ins Gespräch: «Gehst du auch zum Casting?»

Schnell stellt sich heraus: Einen Häuserblock entfernt findet ein Vorsingen für «Annie» statt, ein in den USA populäres Musical (nicht zu verwechseln mit «Annie Get Your Gun»). Das Stück, welches die Geschichte des Waisenkinds Annie erzählt, soll am Broadway wieder aufgenommen werden. 5’000 Mädchen sind dem landesweiten Aufruf gefolgt, sich für die Hauptrolle zu bewerben. Deshalb windet sich nun eine Menschenschlange um ein Gebäude an der Upper East Side. Unzählige Familien haben sich mit Campingstühlen und Picknickdecken im feucht-kalten, windigen Wetter auf längere Wartezeiten eingerichtet.

NYC Annie PlakatIm geheizten Frühstücksraum fachsimpeln die Mädchen, ob man beim Casting besser ein Lied aus «Annie» oder etwas anderes singen soll. Eine Mutter erzählt, der Papa sei um 5.30 Uhr aufgestanden, um einen guten Platz in der Warteschlange zu sichern. Die Tochter brauche ihren Schlaf und solle da draussen bloss nicht krank werden. Zudem müssten sie rechtzeitig heim, das Kind habe später noch einen Auftritt.

Mädchen schläft am Boden

Warten macht müde: Ein Kind schläft am Boden

Die Atmosphäre in der Warteschlange ist trotz des trüben Wetters sehr fröhlich, wie das Video unten zeigt. Immer wieder stimmen die Kids «Tomorrow» an, den wohl bekanntesten «Annie»-Song. Manche haben offensichtlich einfach Spass, andere sind nervös und angespannt. Bei einigen sind die Erwartungen hoch – schliesslich hat Hollywood-Star Sarah Jessica Parker ihre Karriere als «Annie» gestartet. Zwischen den Kindern herrscht ein Konkurrenzkampf, wie folgende Szene zeigt: Annie InterviewEin Video-Reporter nähert sich. Die Mädchen reissen sich drum, Interviews geben zu dürfen. Aus dem Hintergrund schiebt eine Mutter energisch ihr blondgelocktes Kind nach vorne. Mit Erfolg: Der blonde Engel darf ein paar Sätze ins Mikrofon sagen. Den begehrten «Annie»-Part wird am Ende aber eine andere bekommen – ein Mädchen namens Lilla Crawford.


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