Begabter Verwandlungskünstler: der Oktopus

Marsa Alam, Ägypten
Begabter Verwandlungskünstler: der Oktopus

Ich fühle mich irgendwie beobachtet. Wir tauchen im Roten Meer und sind auf dem Rückweg an die Oberfläche. Plötzlich, in etwa zehn Metern Tiefe, beschleicht mich das Gefühl: Wir sind nicht alleine. Ich schaue mich um, sehe aber niemanden. Da sind nur Steine, Korallen, Geröll.

Oder?

Wir nähern uns einer Korallenwand – und schlagartig verwandelt sich ein Teil des Riffs vor unseren Augen in einen Oktopus.

Getarnter Oktopus am Riff

Gut getarnt: Oktopus am Riff

Gut getarnt: «Ich bin ein Stück Riff»

Der Oktopus, auch Krake genannt, ist eines der faszinierendsten Lebewesen im Ozean. Die achtarmigen Tintenfische sind nicht nur sehr intelligent, sie sind auch mit aussergewöhnlichen physischen Eigenschaften ausgestattet. Ohne Skelett, dafür mit kräftigen Muskeln, ist ihr Körper extrem flexibel. Sie können sich in die kleinsten Spalten zwängen.

Der beeindruckendste «Zaubertrick» der Oktopusse ist ihre Fähigkeit, Farbe und Oberflächenstruktur zu ändern, und zwar blitzschnell: Eben noch war er braun-beige und zottelig – schon ist er fast glatt und weiss. Zwischen den beiden folgenden Bildern liegt nur eine knappe Sekunde (siehe auch Video unten):

2-mal derselbe Oktopus im Abstand von einer Sekunde

Verwandlungskünstler Oktopus: braun-beige und zottelig zu fast glatt und weiss

Der Farbwechsel ist noch erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass viele Oktopus-Augen farbenblind sind. Vermutlich kann aber ihre Haut die Farbe der Umgebung «sehen». Wissenschaftler haben in der Oktopus-Haut nämlich lichtempfindliche Proteine gefunden, so genannte Opsine. Diese kommen sonst in den Augen von Lebewesen vor. Das weisst darauf hin, dass Oktopusse Helligkeit und Farbe ihres Untergrunds über die Haut wahrnehmen können.

Dasselbe Tier, einmal schwarz, einmal weiss

Alle Bilder auf dieser Seite zeigen dasselbe Tier

Farbwechsel mit Hilfe von «lebenden Pixeln»

Der Farbwechsel geschieht mit Hilfe von so genannten «Chromatophoren»-Zellen in der Haut. Das sind elastische, von Muskeln umgebene Säckchen mit Farbpartikeln, den Pigmenten. Zieht sich der Muskel zusammen, wir der Pigmentsack so klein, dass er nicht mehr zu sehen ist. Entspannt sich der Muskel, dehnt sich der Pigmentsack aus und die Farbe wird sichtbar.

Die Chromatophoren sind also eine Art lebende Pixel, welche das Tier ein- und ausschalten kann. Manche Oktopusse verfügen über Chromatophoren in verschiedenen Farben. So können sie sich farblich präzise dem Untergrund anpassen. Wenn sie dann noch mit speziellen Muskeln in der Haut deren Struktur ändern, ist die Tarnung perfekt.

Der Oktopus und seine Zaubertricks

Bereits Aristoteles hatte im 4. Jahrhundert vor Christus die Verwandlungskunst der Oktopusse beschrieben. Heute können Wissenschaftler ansatzweise erklären, wie diese «Tricks» funktionieren. Das macht diese aber nicht weniger zauberhaft, wie unsere Videoaufnahmen aus dem Roten Meer zeigen:


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